Jon’s Weblog

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Finally… the Hip Hop Review for 2008 März 3, 2009

Common Market - "Tobacco Road", mein Album des Jahres

Common Market - "Tobacco Road", mein Album des Jahres

Dieser Post wird wohl nur für die wenigsten meiner Leser irgendeine Art Bedeutung haben, weil ich hier mein persönliches Hip Hop Jahr 2008 Revue passieren lasse. Ja, das wird nach über zwei Monaten des Jahres 2009 noch eine der unglaublich nervigen Listen a la „Der hässlichste Promi 2008“, „Die bescheuertste TV-Show 2008“, „Die Bilder des Jahres 2008“ oder aber „Bravo Hits 2008“. Egal wie nervig und abstoßend solche Listen auch sein mögen – ja, auch für mich trifft diese Sichtweise zu – sie haben doch ihren Charme und auf eine seltsame Art und Weise steh ich auch drauf. Ambivalenz nennt man so etwas wohl, und Ambivalenz ist ja etwas, das in meinen Studienfächern durchaus guten Ruf genießt. So, und nun geht es also auf zur Kür. Bin gespannt, auf wieviele sinn- und aussagelose Listen ich am Ende kommen werde… 😉

Was ich bereits jetzt zweifelsohne sagen kann ist folgendes: Mein unumstrittenes Album des Jahres ist das geniale, relaxte Tobacco Road von der Hip Hop Kombo Common Market aus Seattle. Ja, genau, aus Seattle. Das ist nun nicht gerade eine Stadt, die als Metropole der Hip Hop Kultur bekannt ist, aber ich bin im vergangenen Jahr gleich auf zwei Gruppen von dort gestoßen, die mich absolut beeindruckt haben. Neben Common Market waren das die Blue Scholars, deren letztes Album Bayani wohl auch der einzig wirkliche Konkurrent für Tobacco Road gewesen wäre, wenn es nicht schon 2007 erschienen wäre. Tja, so sind es halt Common Market, die den völlig bedeutungslosen Preis für „Jon’s Hip Hop Album of the Year 2008“ einheimsen können. Herzlichen Glückwunsch, auch wenn die Jungs davon aller Vorraussicht wohl nie etwas erfahren werden. Näheres zum Album des Jahres dann, bei Interesse, weiter unten…

So, und hier geht es nun los mit den Listen. Zu allererst die für mich persönlich wichtigste Liste, nämlich die der Alben des Jahres 2008. Natürlich kenne ich nicht mal einen Bruchteil der in diesem Jahr erschienen Platten, und ebenso natürlich ist diese Auswahl sehr subjektiv – was hier erscheint repräsentiert meine Präferenz für smoothen, jazzig-soulig-entspannten (mehr-oder-weniger-)Underground Hip Hop. So, let’s go:

1. Common Market – Tobacco Road

Common Market - Tobacco Road

Wie bereits weiter oben geschrieben ist diese Wahl ziemlich eindeutig. Auch wenn 2008 kein schlechtes Jahr war und es tatsächlich relativ viel guten Hip Hop gab, so ist dieses Album doch das, welches für mich absolut herausragt. Der Sound ist einfach entspannt, auch wenn die Songs zwischen selbstreflexiv und teilweise doch aggressiv situiert sind. Teilweise gibt es relativ Gesang, wie beispielsweise auf „Weather Vane“ oder „Nina Sing“ (bei dem Titel nicht wirklich überraschend…), teilweise sind auch die Hooks gerappt. Letztgenannter Song ist auch der einzige, den ich dann doch öfter mal skippe. Dies liegt aber wohl auch mit daran, dass danach mit „Certitude“ und „Crucible“ zwei der absolut herausragenden Tracks des Albums kommen, die beide zu den etwas aggressiveren Nummern der Scheibe gehören. Ebenfalls sehr gut sind in dieser Hinsicht „Trouble Is“ und „Gol‘ Dust“. Insgesamt überwiegen rein numerisch aber wohl die introspektiven, nachdenklichen und souligen Stücke. Meine zwei Lieblingstracks sind hierbei „Winter Takes All“ (Nr. 8) und der Titelsong „Tobacco Road“ (Nr. 18), die beide zu den nmeistgespielten Songs des Jahres 2008 bei mir zählen. Im Auto läuft seit geraumer Zeit in 85% der Zeit Tobacco Road, und ein nicht geringer Teil dieser Zeit steht einer der beiden Songs auf Repeat, zumeist „Tobacco Road“, der sich retrospektiv mit den Themen ‚Heimat‘ und Aufwachsen befasst. Die Titel „Swell“, „40 Thieves“, „40 Acres“, „Slow Cure“, das bereits erwähnte „Weather Vane“ und „Back Home“ sind ebenfalls mehr als nur empfehlenswert. Dazu noch ein Instrumental-Track mit dem Titel „Spits“ (obwohl gerade hier keine Rhymes gespittet werden), der zu den wirklich guten seiner Sorte gehört. Macht alles in allem 13 extrem gute bis absolut herausragende Tracks, von 17. Für mich ganz eindeutig das Album des Jahres 2008! Abschließende Bewertung: Beats 9/10; Lyrics 9,5/10; Stimmung 4,5/5; Stimmigkeit 4/5; Durchhörfaktor: 4/5; Gesamt: 31/35

2. Incise – Nobody’s Story

Incise - Nobody's Story

Es war schon wesentlich schwieriger die Auswahl für den zweiten Platz in der Rangliste zu treffen. Am Ende hat sich jedoch dann das Album Nobody’s Story von Incise durchgesetzt. Ja, ich hatte von Incise vorher auch noch nie etwas gehört. Auch jetzt weiß ich nicht allzuviel über ihn – aber das ist ja eigentlich auch recht irrelevant. Im Gegensatz zum Album von Common Market sind hier doch recht viele Featuregäste vertreten, was wohl dran liegt, dass Incise selbst eher Produzent als Rapper ist. Das Album ist auf jeden Fall eine Perle, mit zahlreichen wunderschönen introspektiven und nachdenklichen, aber auch einfach nur guten Tracks. Das einzig ein wenig nervige ist, dass Remixe von zwei Songs die Tracklist etwas verfälschend aufblähen – aber das ist auch wirklich das einzig „schlimme“. In einem der beiden Fälle ist sogar der Remix wesentlich schöner als das Original, nämlich bei „Tock“, einem zusammen mit den Stereotypes eingespielten Track, der sich mit dem Thema Zeit und deren Fortschreiten beschäftigt. Der Remix hiervon ist sogar mein absoluter Favorit auf dem Album, dicht gefolgt von „So Beautiful“, einem unglaublich schönen und optimistischen Track von Incise und dem Artist Poems. Ansonsten ist in der Kategorie „etwas aggressiverer Hip Hop“ das Lied „Move Rhymes“ wirklich gut, und der Song „Magic“ (featuring Nieve) ist ein absoluter Banger. Davon will ich sogar mal den Hook hier zitieren: „Yo, this is magic, I’m the wizard, I’m the sage / with only a microphone on stage / I find a way to make it magic / conjure up images from the grave / hurry before they run away / I find a way to make it magic„. Weitere empfehlenswerte Tracks wären dann „In Love with Two Women“ (wovon eine die gute alte Lady Hip Hop ist), der Instrumental-Track „Nothing to Do“, „Quite like It“, „Your Soul“ und „True Greatness“. Sollte man mal auschecken! Abschließende Bewertung: Beats: 9/10; Lyrics: 8/10; Stimmung: 4/5; Stimmigkeit: 3,5/5; Durchhörfaktor: 4/5; Gesamt: 28,5/35

3. The Grouch – Show You the World

The Grouch - Show You the World

Hier also nun das Album, das sich mit Incise’s Nobody’s Story um den zweiten Platz gestritten hat. Am Ende ist es aber die Stimmung und die Art der Beats, die für mich den Ausschlag geben, Grouch’s was-weiß-ich-wievieltes Album nur auf dem dritten Rang zu platzieren. Reim- und flowtechnisch ist der MC aus der Bay Area wieder einmal auf der Höhe seines Schaffens, und einige wirklich herausragende Tracks sind auch hierauf zu finden; dazu gehören für mich eindeutig „Yardwork„, in dem der metaphorische Hip-Hop Garten von Unkraut befreit werden muss. Sehr schön, guter Beat, gute Lyrics und super Flow. Ein unglaublich chilliger und lässiger Track, der Sommerfeeling verströmt ist für mich „Hot Air Balloons„, zusammen mit Bicasso und Scarub aufgenommen und sehr soulful. Auch der letzte Track „Breath“ ist richtig gut geworden, und dazu gibts sogar ein richtiges Video (selten bei Underground-Artists). Der Song klingt auf jeden Fall so, wie man es vom Grouch früherer Zeiten kennt, zum Beispiel vom ebenfalls sehr guten Kollabo-Album mit Eligh, No More Greener Grasses. Das wars aber noch lange nicht mit sehr guten Tracks, aber das sind meine persönlichen Favoriten, die auch meinem favorisierten laid-back-sound am nähesten kommen. Ansonsten sind „Time“ (mit gitarrenlastigem Instrumental), „Mom & Pop Killer“ (auch hier wieder ein Video, ein Track, der die zunehmende ‚VerWalMartung‘ der USA kritisiert und deren folgen für die kleinen ‚mom & pop stores‘ thematisiert), „Watch, Watch“ (‚Straight from the heart, that’s how I write, man / basically smart, well, that’s how I live‘), „Favorite Folks“ (ein etwas härterer, clubtauglicher Track), und der großartige Track „Artsy“ (geniale Lyrics, und lustiges Video – lohnt sich!) noch wirklich gut. Die Kollabo mit Murs ist leider weniger gelungen, und auch „Shero“ ist etwas gewöhnungsbedürftig – sehr R&B-lastiger Chorus, und insgesamt irgendwie nichts wirklich neues im Liebessongs-Subgenre des Rap. Dennoch: ein sehr, sehr gutes Album, das ich gerne und häufig gehört hab (und immer noch höre). Aber vom Sound her gefallen mir teilweise einige ältere Sachen von The Grouch doch einiges besser… Abschließende Bewertung: Beats: 7,5/10; Lyrics: 9,5/10; Stimmung: 3,5/5; Stimmigkeit: 3,5/5; Durchhörfaktor: 3,5/5; Gesamt: 27,5/35

Auf den weiteren Plätzen der Top 10 folgen schließlich:

4. K-Salaam & Beatnick – Whose World Is This?

Die äußerst gelungene Kombination aus Reggae/Dancehall und Hip Hop Artists auf den Beats von Beatnick und K-Salaam überzeugt auf ganzer Linie. Das einzige, was diese Scheibe davon abhält noch weiter oben in dieser Liste zu stehen ist schlicht und einfach, dass mich die Alben auf den Rängen 1 bis 3 mit ihrem guten Hip Hop Sound einfach mehr gefesselt haben. Das liegt aber eher weniger an Mängeln von Whose World Is This?, sondern viel mehr daran, dass ich nunmal first and foremost ein Hip Hop Head bin. Dennoch: es sollten mehr Alben erscheinen wie dieses, dass die beiden eigentlich sehr naheliegenden Musikgenres verbinden. Two thumbs up!

5. Justis – Justis

Das selbstbetitelte Album des mir bis dato völlig unbekannten Künstlers Justis (man beachte das Wortspiel: just is/justice) ist ebenfalls eines der wirklich guten des Jahres 2008. Sehr jazzig, oftmals auch mit viel Soul, und stets soliden, teils nachdenklichen, Lyrics überzeugt es auf der ganzen Linie. Sollte man mal reinhören – nicht umsonst lässt dieses Album die von mir sehr hoch geschätzten Künstler Ill Bill, eMC und Immortal Technique allesamt hinter sich!

Auf den weiteren Rängen komplettieren schließlich noch die folgenden Künstler und Alben Jons persönliche Alben-Top 10 des Jahres 2008:

6. Ill Bill – The Hour of Reprisal

7. eMC – The Show

8. Inverse – So Far (The Collection)

9. Immortal Technique/DJ Green Lantern – The Third World

10. The Majors – The Majors sowie Braille – The IV Edition

So, das war also erstmal die Rückschau auf die 2008 erschienenen Hip Hop Alben. Natürlich sieht diese Zusammenstellung ganz anders aus als die Billboard Black Music Charts, aber alles andere würde mich – und die Leute, die mich kennen – wohl sehr überraschen und ein wenig schockieren… 😉

Fortsetzung folgt!

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2 Responses to “Finally… the Hip Hop Review for 2008”

  1. Tom Says:

    Der Tock-Remix läuft gerade im Hintergrund, echt n(/f)ett.
    Du kannst uns auch gerne mal was vorspielen und dazu etwas sinnieren. man lernt sicher was bei. ^^

    cool, der YT link is ja gleich deine playlist. 😀

    Fällt mir ein: wir sollten auch nochmal quatschen, ob wir uns im May gnel-technisch nach Münster-City translokalisieren wollen – natürlich mit Betonung auf Lokal! 😉

    whazzzup? I say: keep it up!!!
    looking forward to whine and dine irgendwann nach dem 15.3. 😀

    cu
    Tom

  2. Aless Says:

    whazzzup? I say: keep it up!!!

    Hm, kommt das vom Après Ski? 😉


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