Dies ist eine ganz neue Seite, auf der ich in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder akademische Literatur (insbesondere Monographien, aber wohl auch Aufsätze) zum großen Themenbereich Hip Hop rezensieren werde. Gelesen hab ich da ja inzwischen schon so einiges, und wenn ich die Zeit finde werde ich hier meine Einschätzung zu den jeweiligen Büchern kundtun – in der Hoffnung, dass der ein oder andere, der sich mit dieser faszinierenden Kultur auseinandersetzt, auch etwas davon hat…
Als ein erstes Werk möchte ich an dieser Stelle eine Enzyklopädie besprechen, die ich im Rahmen meiner Hausarbeit zu Immortal Technique’s Revolutionary Vol. 2 per Fernleihe geordert hatte und mit der ich mich nun auch drei Monate auseinandersetzen konnte. Es handelt sich um Yvonne Bynoe’s Encyclopedia of Rap and Hip Hop Culture aus dem Jahr 2006, erschienen bei Greenwood Press. Der Link führt direkt zur deutschen Amazon-Seite, wo man sich das Ding für sage und schreibe 53,99 € bestellen kann. Bei einer Investition in dieser Größenordnung sollte man natürlich wissen, ob sich das auch wirklich lohnt – insbesondere wenn man über einen studentischen Geldbeutel verfügt (oder, in anderen Worten, einem das Geld nicht aus dem Arsch wächst). Nun ja, diese Frage kann ich zunächst einmal ganz klar mit einem dicken und fetten „NEIN, es lohnt sich definitiv NICHT, dieses Geld für dieses Buch auszugeben!“ beantworten.Die Zielsetzung dieses Werkes, wenn man dem Eintrag von Booklist bei amazon.de Glauben schenken darf, ist folgende:
According to author Bynoe, „Hip Hop is a cultural expression that encompasses music, narrative poetry, dance, and art as reflected by its original four elements.“ Those elements are DJing, MCing (rapping), B-boying (break dancing), and graffiti or aerosol art. Bynoe represents each of these elements in this encyclopedia.
Während es durchaus richtig ist, wie Bynoe hier Hip Hop definiert, so stellt meiner Erfahrung nach das Urteil, dass alle der aufgeführten Elemente auch tatsächlich in der Enzyklopädie Erwähnung finden, schlicht und einfach ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit dar. Tatsächlich ist es so, dass sich der überwiegende Großteil des Buches aus Einträgen zu (mindestens szeneintern) sehr bekannten Künstlern zusammensetzt. Diese Einträge sind, in den meisten Fällen, insgesamt sehr kurz geraten und geben seltenst einen mehr als nur äußerst rudimentären Überblick zu Leben und Schaffen (von speziellen Stilen ganz abgesehen) dieser MCs. Die Tatsache, dass der Underground in Bynoes Buch nahezu völlig in eben demselben verschwindet, spricht auch nicht gerade dafür, dass es sich um eine wirkliche Enzyklopädie handelt. Meiner Erfahrung nach ist das Einzige, was für diesen Band spricht, dass man ihn auch in akademischen Arbeiten zitieren kann – wenngleich die Einträge zu den Künstlern bei dem leider häufig verrufenen Wikipedia zumeist wesentlich umfangreicher, informativer, und vor allem zahlreicher zu finden sind.
Zudem ist auch bei den Einträgen, die sich nicht speziellen Künstlern widmen, insgesamt einfach zu wenig geboten. Das mag reichen, wenn man sich auf die oberflächlichste Art und Weise mit Hip Hop beschäftigt und wirklich keinerlei Ahnung von der Szene hat, aber sobald man auch nur minimal über diese Stufe hinauskommt, ist die Encyclopedia of Rap and Hip Hop Culture einfach schon absolut am Limit ihrer Möglichkeiten. Armseligerweise ist einer der absolut zentralen Begriffe der Rapmusik, nämlich der Flow, nicht einmal mit einem eigenen Eintrag vertreten. Über die Gründe kann ich hier nur spekulieren – ein Armutszeugnis bleibt es aber in jedem Fall.
Während es für universitäre Bibliotheken vielleicht noch sinnvoll erscheinen mag, diesen Titel für einen gewissen Überblick in ihrem Bestand zu haben, so kann ich jedem Privatmenschen nur davon abraten, diese Investition zu tätigen. Für die 50 Euro bekommt man im Schnitt auch drei gute Monographien über die Hip Hop Kultur, die einem einen wesentlich tieferen, besseren, und akademisch verwertbareren Einblick verschaffen, als es Bynoes Werk – trotz der verhältnismäßig brauchbaren Einführung zu Beginn – vermag. Und die Einträge zu den Künstlern haben einfach das Problem, dass sich einer derart schnellebigen Szene so schnell Dinge verändern, dass man bei Wikipedia schon allein deswegen besser aufgehoben ist.
[...] Literature on Hip Hop [...]
….hätte ich mir jemals eine Hip Hop-Enzyklopädie kaufen wollen – Respekt, eine fundierte Rezension. Aber für mich als absoluter Nicht-Kenner der Materie würde sich vielleicht sogar mal ein Blick in die Einführung lohnen….wenn die nicht schlecht sein soll..
Greetz Nka!
Tim, Nka, ich kann dir ungefähr 300.000 andere Einführungen (okay, die Zahl war vllt ein wenig übertrieben…) nennen, die mit Sicherheit keinen Deut schlechter sind. Oder ich kann dir in ca. 6 Monaten selber die wichtigsten Sachen sagen – ich behaupte mal, dass Frau Bynoe da auch nicht viel mehr weiß als ich…
[...] January 26, 2009 Some months ago I wrote a review on Yvonne Bynoe’s Encyclopedia of Rap and Hip Hop Culture. The review, unfortunately, is in German. Nevertheless, if you’re interested in my review, you can check it out here. [...]